Streamingtipp: Dokus aus aller Welt

Wer gerne Dokumentarfilme sieht, für den ist das Dok.fest München tatsächlich immer wieder ein Fest: Stöbern, Staunen, Neues entdecken. Und das – die Pandemie hat hier tatsächlich auch etwas Positives bewirkt – sowohl im Kino als auch digital zuhause: Noch bis zum 22. Mai lässt sich im Heimkino in Dokumentarfilmen schwelgen.

Chapeau! dachte man sich schon 2020, als die Macher des Dok-Fests München wegen des Lockdowns erstmals eine rein digitale Version ihres Festivals auf die Beine stellten. Im vergangenen Jahr dann ging’s dann hauptsächlich digital weiter. Und diesmal, bei der aktuellen 37. Ausgabe des Internationalen Dokumentarfilmfestivals München fahren die Festivalmacher zweigleisig: Wer nicht in die bayerische Hauptstadt reisen kann oder will, darf im Heimkino gucken. Nicht alle – aber doch die meisten der 124 Filme aus 55 Ländern lassen sich dort entdecken.

Unser Filmtipp für die kommende Woche: Dok.fest zuhause gucken! Alle Infos und Tickets unter www.dokfest-muenchen.de

Vom Sofa aus reisen

Fremde Länder erkunden – während der Pandemie war das oftmals nicht möglich. Das Dok.fest München stillt hier, zumindest visuell, den Nachholbedarf. Eine filmische Reise um die ganze Welt führt ins diesmalige Gastland Spanien, gezeigt werden aber auch Dokus aus Polen und Peru, Mexiko und Myanmar, Bulgarien und Burkina Faso, Finnland und Frankreich. Und die Ukraine bekommt einen ganz eigenen Schwerpunkt. Der Dokumentarfilm „Nawalny“ allerdings, angesichts von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine von besonderer Brisanz, läuft nur im Kino. Grund genug, das heimische Sofa wieder einmal zu verlassen.

Schweres Thema leicht erzählt

Im Screaming ansehen lässt sich ein herausragender Film aus der Tschechischen Republik: „Intensive Live Unit“ greift die Frage auf, wie der Mensch bis zum Schluss ein menschenwürdiges, gutes Leben leben kann. Er schildert die Arbeit und das Ethos der Ärzte Ondřej Kopecký und Kateřina Rusinová, beide Pioniere der Palliativmedizin am Prager Universitätskrankenhaus. Mit hoher Aufmerksamkeit, warmen Worten und intensiver Fürsorge zollen die beiden empathischen Stationsleiter jedem ihrer todgeweihten Patienten größten Respekt.

Herausgekommen ist ein intimer Film der die Frage nach dem „richtigen Sterben“ und dem Ethos des Arztes im 21. Jahrhundert stellt. Regisseurin Adéla Komrzý und ihr Team finden dafür einfühlsame Bilder – und ziehen den Zuseher bereits nach wenigen Sekunden (ja, Sekunden) in den Bann. 2018 gehörte Adéla Komrzý zu den „Berlinale Talents“. In München feierte „Intensive Live Unit“ seine Deutschlandpremiere.

Geschichten aus Deutschland

Der Blick der Dokumentarfilmer richtet sich aber nicht nur auf die weite Welt sondern auch auf Heimisches. In „Geschlossene Gesellschaft“ beispielsweise spüren die Filmer Hans von Brockhausen und Max Weishaupt nach, wie es den Münchner Clubs während der Pandemie so ging. In „Alice Schwarzer“ portraitiert die Filmemacherin Sabine Derflinger die bekannteste Frauenrechtlerin Deutschlands. „Sorry Genosse“ wiederum berichtet hautnah über eine Ost-West-Fluchtgeschichte der 70er Jahre – und über eine große Liebe. Filmemacherin Vera Brückner tut dies so einfühlsam und humorvoll, dass ihr dies bereits eine Einladung zur Berlinale 2022 brachte.